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Tenote

FYQ - 1000

Wenn man die Zahl Tausend erwähnt, taucht in jedem Mensch etwas anderes auf. In jemandem František Palacký auf der tschechischen Banknote, in jemandem das metrische System, in jemand anderem wieder zwei gut durchgebratene Halbkilo-Steaks. Ich persönlich verbinde diese Zahl seit Kurzem mit Klettern. Nein, es handelt sich um kein klassisches Kletterklischee in Form einer Diskussion zur Bewertung der Schwierigkeitsskala der Kletteraufstiege, wie manche Leute meinen konnten. Es handelt sich um die Anzahl gekletterter Linien.

Um euch das alles näher zu bringen, müssen wir in der Zeit zurück in das Jahr 2007 gehen, als ich das Klettern in Angriff genommen habe. Zuerst machte ich Ausflüge nach Malý Rabštejn, wo ich die Klettertechnik allmählich gelernt habe, später habe ich auch andere Orte besucht (Bradlo, Potštát,…). Noch im gleichen Jahr kam ich jedoch in den Mährischen Karst. Ich erinnere mich, dass mich diese Region, im Gegensatz zu anderen, schon beim ersten Besuch ganz gefangen nahm, und so kehrte ich dort immer häufiger zurück. Im Laufe der Zeit habe ich diese ganze Region so lieb gewonnen, dass ich sie für meine Heimat-Kletterlokalität ansehe, wo ich den größten Teil meines Kletterjahres verbringe (im Jahre 2012 – 35 Tage, 2013 – 48, 2014 – 49, 2015 – 71). Hiesiger Kalkstein hat seinen spezifischen Charakter, der sich von Lokalität zu Lokalität etwas unterscheidet, und deshalb ist für mich jeder Sektor und jeder Felsen interessant und besuchswürdig. Im ganzen Karst gibt es heute ungefähr 1.315 Kletterrouten und 265 Boulder.

Die Idee, 1.000 Routen hier zu klettern, kam mir in den Sinn ungefähr vor einem Jahr, als ich langsam festgestellt habe, dass es für mich in den traditionellen Klettergebieten (Sloup, Holštejn) schon nichts zu klettern gibt, ohne die Routen zu wiederholen. Selbstverständlich in den Grenzen meiner Karstfähigkeiten und Möglichkeiten (bis 9 UIAA, 7A+Fb). Zu der Idee hat auch der Wettkampf Karstmistkerl beigetragen, an dem ich mich zwar direkt nicht beteiligt habe, aber den ich auch nach dem Abschluss verwirklichen wollte. Am Anfang spielte ich nur mit dem Gedanken und sagte mir, dass es super wäre, eintausend Routen hier zu klettern. Mit fortschreitender Zeit rückte jedoch die ersehnte Grenze mehr und mehr heran und ich war immer mehr motiviert, dieses Ziel zu erreichen. Oft bin ich in den Karst allein gefahren, um nur zu bouldern, manchmal sind wir dort gefahren, um leichtere Aufstiege solo zu klettern. Ich bin auch bei unsicherer Witterung und im Grunde genommen ganzjährig gefahren. Meine Mitkletterer haben es mit mir nicht leicht gehabt, wenn ich sie noch um eine „letzte“ Route bat oder wenn sie mich minutenlang in den Randpartien sicherten. Aber bei jedem Besuch habe ich ein weiteres Stückchen des Kuchens abgebissen und war der Zahl Tausend wieder etwas näher. Manche von euch werden vielleicht sagen, dass es keine Leistung ist, eintausend leichte Routen zu machen, aber ihr müsst euch vorstellen, dass nicht alle Routen leicht waren und nicht alle gut gesichert waren. Oft sagte ich mir, ob solche problematische Routen und Stellen ohne Sicherung der Mühe wert sind. Blicke ich jedoch zurück, muss ich sagen, dass ich keine Route bereue, weil alle auf ihre Weise schön waren. Manchmal war es zwar mehr Baumklettern als Felsklettern, manchmal war es Klettern ohne Sicherung mit drohender Sturzgefahr, aber jede von diesen eintausend Routen gab mir Abenteuer und flüchtiges Glücksgefühl.

Als der Augenblick kam, auf den ich mich so gefreut habe, stellte ich jedoch fest, dass das Vergnügen über die gerade überwundene Quest viel kleiner ist, ale ich erwartete. Ich habe einfach nur eine weitere Route gemacht. Ja, Freude hat sich eingestellt, aber gleichzeitig kam es mir zum Bewusstsein, dass das erst der Anfang ist. Anfang eines langen Wegs zum „ernsthaften“ Kennenlernen des Karstes, um das es mir vor allem geht.

Für die Herausforderung Follow your quest nominiere ich Tomáš „Stange“ Indra.

Filip Zaoral

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