Expedition, Nanga Parbat


Die ersten Notizen von der „Wild-Choice“-Expedition, Nanga Parbat

Ich bin wieder mit dem Christkindlein, meine diesjährige zweimonatige Unterredung mit Allah im westlichsten Ausläufer des Himalaya-Gebirges kam zu Ende. Ich möchte nur in Erinnerung bringen, was ich zusammen mit Zdenda bei der Abreise nach Pakistan im Schilde geführt habe. Nichts Kleineres, als einen neuen Weg durch die 4500 Meter hohe Rupal-Südwand zu finden und im Alpinstil zu klettern. Wenn ich sehr kurz das Ergebnis unserer Expedition mitteilen soll, dann ist die Wertung so, dass uns der Berg den Hintern verhauen hat, Punkt. Trotzdem kann ich die vierzig Tage, die ich am Bergfuß oder direkt an der Wand verbrachte, als ein erstaunliches Erlebnis bezeichnen, das zu den besten Erlebnissen meines Lebens in den Bergen gehört. Die folgenden ein paar Zeilen sind nur ein Auszug aus dem vorbereiteten Artikel, und deshalb erlaube ich mir, die Geschichte bis zum Augenblick, der ein Markstein dieser Expedition war, durchzufliegen.

„Die ganze Nacht treibt eine unsichtbare Windturbine mit aggressiver Kraft Eisgraupeln, die mit betäubendem Gepolter und Monotonie an die Zeltwänden anschlagen. Ich habe eine Höllenangst. Schon zum zweiten Mal muss ich aus dem feuchten Schlafsack herauskriechen, um das Zelt vom Schnee zu befreien. Ich habe weder Zeit noch Lust, Steigeisen anzulegen. Ich öffne das Zelt und gleichzeitig bricht eine Flut von wild schwärmenden Kriställchen ein, die mit hämischer Freude alles in Weiß einhüllen. Und dazu noch die allgegenwärtige dichte Dunkelheit, „verdammt“. Ich krieche vorsichtig in den Lichtkegel der Stirnlampe und drücke mit dem Fuß auf den Schnee, bis mein Fuß im Schnee einen festen Halt findet. Der Schnee reicht bis über die Knie. Eine falsche Bewegung und der nächste Halt liegt dreitausend Meter tiefer. Ich ziehe Handschuhe an, die der Frost in ein steifes Skelett verzaubert hat, und scharre die weiße Bescherung weg. Eine Sisyphusarbeit. Nach der nutzlosen Arbeit krieche ich in meine Zelle zurück, die nicht größer als zwei Quadratmeter ist und dem vollkommen depressiven Bild die endgültige Form gibt. Ich zittere an allen Gliedern. Die Schuld liegt nicht nur bei der allgegenwärtigen Kälte, aber auch bei dem sich nähernden psychischen Kollaps.

„Allah, lass mich leben“, schreie ich fast halb verrückt in die umliegende Nichtigkeit.

„Und was jetzt, du Held, du bist im Arsch, nicht wahr?“ fordere ich meine Kühnheit auf. Die Selbstbewertung führt zu nichts, erst Ringen nach Atem in der dünnen Luft dämpft mein hysterisches Rasen. Rationale Denkweise wird durch emotionellen Durchfall langsam verdrängt.

Gedankenfetzen drehen sich in einem rasenden Wirbel. Wie werde ich nach unten kommen.

Ahnt überhaupt Zdenda, der auf mich im Basislager wartet, dass ich in der Patsche stecke…, Kája, Viktorka, meine Mädchen, schickt mir eine Schutzkapsel von zu Hause ..., wo habe ich einen Fehler gemacht ..., also warum ..., weshalb ..., lieber Gott, Hilfe!!!

Eine Sache ist klar, die Idee, über den Gipfel von Nanga sich hinüberzuschwingen und auf diese Weise die leichtere Diamir-Wand zu erreichen, ist unter einer Frischschneeschicht begraben. Es bleibt mir nichts anderes übrig – nur der fast hoffnungslose Versuch, über 2300 Meter von Mix und Eisabhängen zum Schutt zu klettern. Danach nur noch ein kleiner Abstieg von etwa 1300 Höhenmetern und ich erreiche das Basislager, glücklich, ganz, gesund.

Eine Utopie…

Aber es hat keinen Sinn, hier auf dieser winzigen, im Abhang ausgegrabenen Plattform zu werten. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann eine Lawine alles hier säubert. Gut, morgen früh muss ich nach unten. Bis zum Schutt muss ich schön rücklings wie ein Krebs kriechen, weil das problematische Gelände erlaubt nicht, einen einzigen normalen Schritt in das Tal zu machen, und ich darf auch keinen falschen Schritt machen, falls ich weiter leben will …“.

Dieses Jahr war Nanga Parbat gegenüber allen weiteren Expeditionen gleichgerecht. Niemand hat den Gipfel erreicht. So geht es nun einmal in den hohen Bergen. Es gibt Jahre, wenn Wille-Lust-Geschicklichkeit-guter Plan keine Aussicht auf Erfolg haben. Trotzdem bin ich nicht von Bitterkeit erfüllt. Ich verbrachte mit Zdenda eine wunderbare Zeit auf einem Berg, der durchaus dämonisch ist. Die ganze Zeit hindurch mussten wir keinen einzigen Meter der Südwand mit jemandem teilen. Klettern wie Wein und es ist unnötig, weiter zu reden. Die Vereinbarung lautet, nächstes Jahr den alten Bekanten wieder zu besuchen. Deshalb fange ich schon jetzt an, Nanga zu beschwören, dass er mir und Zdeněk in der nächsten Saison ein freundlicheres Gesicht zeigt.

Der ganze Artikel mit mehr Fotografien und einem kurzen Filmspot erscheint in Kürze auf meiner Webseite marekholecek.cz und auf anderen Webservern.

Tschüs, Marek

zavřít